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  • Thomas Diehl

Besuch November 2018

Liebe Paten und Spender

Eigentlich wollte ich bereits im Juli nach Haiti fliegen, musste den Flug aber wegen der Unruhen verschieben. In den Straßen kam es nach großen Demonstrationen zu Schießereien mit einigen Toten durch Unfälle, die meist durch Stress der Polizisten ausgelöst wurden. Brände wurden insbesondere in Autohäusern gelegt, Geschäfte geplündert. Überall gab es brennende Barrikaden. Ursache für die berechtigte Aufregung der Bevölkerung ist der ‚Petro Caribe Fonds' in Höhe von 2 Milliarden Dollar, der eigentlich den Menschen in Haiti zugute kommen sollte, den sich aber die Politiker selber in die eigene Taschen steckte. Da eh die meisten öffentlichen Gebäude geschlossen hatten, hätte die Reise keinen Sinn gemacht. Im Oktober bebte die Erde mal wieder. Am schlimmsten war der Norden betroffen. Von größeren Hurrikans blieb Haiti aber diese Jahr glücklicherweise verschont.

Nun im November konnte ich dann endlich fliegen obwohl die Demonstrationen wieder zugenommen hatten. Marat war bereits Freitags nach Port-au-Prince gekommen weil er Sorge hatte durch die Barrikaden aufgehalten zu werden. Tatsächlich kam es an diesem Wochenende wieder zu mehreren Todesfällen auf den Straßen. Durch die guten Ortskenntnisse und Beziehungen konnte er dann aber die schlimmsten Wege umgehen. Dennoch sah man an mehreren Stellen noch restliche teils brennende Reifenstapel. Ursache fürs die Aufstände sind die massiven Preisanstiege sowie Korruption der Regierung. Die Aufstände werden von der Opposition angestachelt. Sie fordern den Rücktritt des Präsidenten.

Die Situation in Haiti hat sich seit meinem letzten Aufenthalt leider wieder deutlich verschlechtert. Überall in den Straßen stapelt sich der Dreck, es riecht nach Schmutz, Abgasen und Urin. An einer Stelle in Port au Prince sammelten sich die Menschen um wieder zu demonstrieren. Schließlich sind wir aber doch heil in Jacmel angekommen.

Das Heim FMCS,

im letzten Jahr sind 2 Jugendliche nach Abschluss ihrer Ausbildung in die Selbständigkeit entlassen worden. 1 Junge lebt nun bei Verwandten in der Dominikanischen Republik. 5 neue Kinder wurden aufgenommen. Sie haben sich bereits gut eingelebt. Bei meiner alljährlichen Untersuchung, die ich erstmals in unserer eigenen Klinik durchführen konnte, konnte ich nur vereinzelte kleine Probleme entdecken, die leicht behandelbar sind. Alle sind gut genährt und augenscheinlich glücklich.

Bis auf einige Kinder der 3. Klasse konnten fast alle Kinder in die nächste Klasse versetzt werden. Das Personal war im letzten Schuljahr teilweise verändert worden. Außerdem wurden die Gehälter erhöht um die Motivation der Lehrer zu verbessern. Trotzdem ist es auch wegen der haitianischen politischen Situation oft schwer den Kindern trotz Schulausfall genügend beizubringen. Insbesondere die kleinen Kinder benötigen Unterstützung bei den Hausaufgaben. Auch gibt es 3 Kinder denen das Lernen sehr schwer fällt. In Deutschland gäbe es für sie spezielle Förderungen, hier leider nicht. Trotzdem werden wir versuchen so gut wie möglich zu fördern und für sie eine passende Ausbildung suchen. Sechs Kinder gehen weiter in die Musikschule. Alle sind mit Eifer dabei. Dank eurer Mithilfe konnten ja einige Musikinstrumente angeschafft werden, mit denen sie nun fleißig üben. 2 Jungs gehen in den Athletic Fußball Club in Jacmel. Der Verein spielt in der 3. Haitianischen Liga. Durch den weiteren Ausbau des zweiten Stockwerkes konnte die Wohnsituation wesentlich verbessert werden. Wasser und Strom sind nun fast immer vorhanden, Internet mal besser mal schlechter. Leider war gegen Ende meiner Reise der Generator defekt. Leider ein teures Ersatzteil, das erst mal besorgt werden muss. Bei unserem Pickup ist der Motor kaputt. Er kann nur in der Dominikanischen Republik eingebaut werden. Immer wieder neue Kosten mit denen man nicht rechnet.

Wir suchen für die 5 Neuen unbedingt noch Paten!

Finanzielle Situation im Heim:

Wie jedes Jahr habe ich die Finanzen gescheckt. Alle Ausgaben werden sorgfältig registriert und Belege gesammelt. Anfangs war das für haitianischen Verhältnisse sehr ungewohnt und musste geübt werden. Inzwischen klappt das hervorragend. Oft war es schwierig überhaupt Quittungen in den Läden zu bekommen. Auch sämtliche Bankbelege konnte ich einsehen.

Die Kosten für Nahrungsmittel sind stark gestiegen. Insbesondere die Schulkosten in den weiterführenden Schulen haben sich in den letzten 3 Jahren nahezu verdoppelt. Die Spritpreis sind ebenfalls stark gestiegen. Dazu kommen die höheren Gehälter. Zudem müssen nach neuem Gesetzt für jeden Angestellten Rente OMA 10% und Krankenkasse OFATMA 20% gezahlt werden wobei allerdings bereits klar ist, dass die Menschen hiervon bei Bedarf einen Benefit haben werden. Zusätzlich müssen auch noch Steuern bezahlt werden. Obwohl der Container für uns immer eine organisatorische Herausforderung ist, konnten Dank eurer Spende viele Schuhe, Kleidung und Spielsachen und sonstige für das Heim wichtige Sachen nach Haiti geschickt werden.

Die Häuser:

Die Häuser wurden weiter ausgebaut. Das Jungenhaus hat nun Fenster und Türen auch in den oberen Etagen. In beiden Häusern macht ein Treppengeländer es jetzt für alle sicher. Der Boden wurde gefliest, Duschen und Toiletten eingebaut. Auch Elektrizität ist vorhanden. Dank der Studenten aus Dessau wurde im Jungenhaus noch eine kleine Küche mit Essmöglichkeit für Personal und Besucher eingebaut. (Sie haben während ihres Aufenthalts direkt in FMCS1 gewohnt. Das Geld, das eigentlich für eine Unterkunft geplant war konnte deshalb für Matratzen, die Küche ausgegeben werden.) Ein großer Kühlschrank eine Gefriertruhe und ein Herd vervollständigen die Küche. Dank des Containers konnte für jedes Haus ein Feuerlöscher geschickt werden.

Der Garten:

Eine Gruppe der Studenten haben während ihres Aufenthaltes ein buntes Hochbeet angelegt. Hier wachsen nun Tomaten und andere Gemüsesorten. Außerdem wurden zwei Sitzecken aus alten Reifen gestaltet und teilweise angemalt. Dank der Lion Stiftung Meistersinger von Nürnberg hatten wir eine große Spende zur Gestaltung des Sportplatzes bekommen. Die Uni Dessau wollte zunächst die Gestaltung des Sportplatzes übernehmen. Leider reichte die Zeit aber nicht, sodass wir es jetzt selber in die Hand nehmen müssen.

Die Schule:

Inzwischen besuchen 140 Kinder unsere kleine Schule. Die Kinder aus der Umgebung bezahlen nur einen kleinen Obulus ca 30 € für 1 Jahr, da völlig kostenlose Schulen nicht gut angenommen werden, weil sie als schlecht gelten. Für die Schule wurden weitere 9 Schulbänke und 2 Tafeln angeschafft. Der Platz vor der Schule wurde betoniert. Dadurch bleibt die Schule sauberer. Die Kinder nutzen den Platz als Basketball- und Fußballplatz sowie zum Roller und Skateboard fahren. Auch für Events, die bei uns in Deutschland in einer Aula stattfinden, können wir hier durchführen. So wurde bereits ein „Best Voice for Jacmel“ durchgeführt um auch die Umgebung besser in die Nachbarschaft einzubinden. Die Veranstaltung wurde positiv aufgenommen und hat allen viel Spaß gemacht.

Die Klinik

Die Klinik wurde von den Studenten aus Dessau weitgehend fertig gestellt. Das ca. 220 Quadratmeter große Gebäude ist sehr schön geworden und macht einen freundlichen Eindruck. Sämtliche Einrichtungsgegenstände sind bereits vorhanden. Für die ersten Wochen sind die Schränke für Verbrauchsmaterialien gefüllt. Nur Medikamente fehlen. Ein Teil der Elektroarbeiten müssen noch gemacht werden. 3 Toiletten fehlen noch sowie ein skeptischer Tank. Zudem muss ein Verbrennungsofen für medizinische Abfälle installiert werden. Auch ein Kühlschrank für Impfungen uns Seren muss angeschafft werden. Sorgen macht uns noch die kontinuierliche Stromversorgung weil der öffentliche Strom immer noch nur Stundenweise funktioniert. Die von der Uni Dessau geplante Solaranlage konnte leider wegen fehlender Gelder nicht installiert werden.

Bei meinem Aufenthalt haben wir mit verschiedenen grundsätzlich interessierten Ärzten gesprochen. Die meisten wollten nur auf Angestelltenbasis arbeiten. Letztlich haben wir uns dann für Dr Leveille entschieden. Herr Leveille wird die Klinik selbständig unter Auflagen von Bedingungen führen. Er wird bei Bedarf weitere Ärzte, Krankenschwestern, Laborantin, Apotheker einstellen und bezahlen. Auch Verbrauchskosten werden von ihm bezahlt. Das erste halbe Jahr kann er die Räume, Geräte und Verbrauchsmaterialien kostenlos nutzen. Danach wird je nach Gewinnsituation ein prozentualer Anteil an FMCS gehen. Die Behandlungen werden günstig angeboten. Bei Bedarf sollen Kinder aber auch kostenlos behandelt werden. Der Vertrag wird zur Zeit noch von Frau Fischl unserer Rechtsanwältin aufgesetzt.

Leider war die Suche nach finanzieller Unterstützung durch Ärzte und medizinischen Firmen sehr überschaubar.

Wer von euch Ideen, Beziehungen und Kontakte ha, wir würden uns sehr freuen.

Weihnachten:

Fest der Liebe, auch für Haiti?

Immer wenn ich nach Haiti komme, sind sie wieder da, die Gedanken über die ungerechte Verteilung der Ressourcen in dieser Welt. Die materiellen Unterschiede sind immens. Man sieht es schon vom Flugzeug aus, die Armutshütten aus Blech oder unverputzten kleinen Steinhäuser, in die wir unsere Autos nur widerwillig unterstellen würden, die holprigen Schotterpisten, die in Haiti als Straßen bezeichnet werden. Kommt man aus dem Flugzeug kommt einem ein Geruchmix aus Schmutz, Moder, Urin, Abgasen und Qualm der überall lodernden kleinen Feuer entgegen, und das in karibisch schwülwarmer Luft. Wir in Deutschland machen uns Gedanken über CO2 in unseren Großstädten. Wir sperren Straßen für noch fast neue Dieselautos. Hier wurden gestern nach einem heftigen Regen riesige Mengen Schmutz und Plastik ins offene Meer getrieben. Uralte Ruß und Dreck ausstoßende Fahrzeuge fahren ungehindert durch die Straßen. Die Straßen wimmeln von ärmlich aber doch meist sauber gekleideten Menschen. 48% der Menschen leben immer noch von weniger als 1$ pro Tag. 1 Million Kinder ohne Eltern, unglaublich. Viele Menschen hungern. Immer noch gibt es nur stundenweise Strom, Kanalisation und Wasserversorgung fehlen. Wir sollten vielleicht einmal Weihnachten dazu nutzen über diese ungerechte Welt nachzudenken und zu handeln. Oft stöhnen wir in Europa auf sehr hohem Niveau. Letztlich aber gehören wir zu den 8% denen es am Besten geht auf dieser Welt. Wäre es nicht sinnvoller Geld in die Entfernung der Müllberge in Haiti zu stecken als bei uns Straßen für Dieselautos zu sperren?

Aber auch das sehe ich immer wieder. Gibt man den Menschen eine Chance, befriedigt ihre Grundbedürfnisse wie ausreichend Nahrung, Schule und Hilfe bei Krankheit, dann strahlen ihre Augen. So ist es immer wieder toll in unser Heim zu kommen und in strahlende Augen der Kinder und Heranwachsende zu schauen, ihre Freude an Musik und Bewegung, ihre Offenheit und Zuneigung zu spüren. Dann ist auch in Haiti Weihnachten zu spüren.

In diesem Sinne wünschen wir euch alle ein Gutes Neues Jahr 2019


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